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15.09.2009



AUCH IN SCHWIERIGEN ZEITEN: BEWÄHRTE PARTNERSCHAFTEN PFLEGEN

Als am Rande der Hannover-Messe 2005 die Strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und des russischen Präsidenten Vladimir Putin durch die beiden Bildungsminister Bulmahn und Fursenko unterzeichnet wurde, um die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Innovation auf eine mittelfristige breitere vertragliche Basis zu stellen, wurde nicht nur ein Modewort aus dem Bereich wirtschaftlichen Denkens in den Bereich der Wissenschaftszusammenarbeit umgesetzt. Vielmehr war es erklärtes politisches Ziel, durch Schaffung neuer Rahmenbedingungen die vielfältigen Aktivitäten in Bildung und Wissenschaft, die sich seit der denkwürdigen Vereinbarung zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Kohl und Gorbatschow seit 1989 entwickelt hatten, durch eine vertragliche Basis zu festigen.
Erstaunlicherweise spielte dabei das Gesundheitswesen, wenn man von der Kooperation in der Grundlagenforschung absieht, keine besondere Rolle. Es mag dahinstehen, welche Ursachen hierfür maßgeblich waren, aber das Faktum ist eindeutig: von der fehlenden wechselseitigen Anerkennung der Abschlüsse bis zu erheblichen Defiziten im akademischen Austausch war Gesundheitswesen kein Thema der deutsch-russischen Bildungszusammen-arbeit. Dieses Gebiet teilte damit das Schicksal vieler anderer Wissenschaftsgebiete, in denen die angewandte Wissenschaft nur eine marginale Rolle spielte.

Die Arbeitsgruppe Bildung und Wissenschaft im Petersburger Dialog griff dieses Defizit auf und erklärte in ihrer Sitzung 2005 die Zusammenarbeit im Bereich der angewandten Wissenschaften zu einem Schwerpunktthema. Fokussiert wurde das zunächst auf die Bereiche Gesundheitswesen und Logistik, später kamen andere Bereiche wie zum Beispiel Rohstoffeffizienz dazu. Es kann nur als glücklicher Zufall betrachtet werden, dass zeitgleich eine Gruppe praktisch tätiger Mediziner um Prof. Dr. Hahn das Thema bewegte, wie die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zwischen Deutschland und Russland verbessert werden könnte. Die Initiatoren dieser Gruppe um den Rektor der Petersburger Metschnikow-Akademie, Prof. Schabrov und den (damaligen) Institutsdirektor in der Berliner Charité, Prof. Dr. Hahn, wurden deshalb zur Sitzung des Petersburger Dialogs 2005 eingeladen und erstmalig in die Präsident Putin und Bundeskanzlerin Merkel vorgelegte Arbeitsplanung für das Jahr 2006 mit ihrem Programm aufgenommen.

Aus der losen Zusammenarbeit der Mediziner formte sich mit Unterstützung des Petersburger Dialogs das Koch-Metschnikow-Forum, das sich sehr schnell zur wichtigen Mittlerorganisation im deutsch-russischen Gesundheitswesen entwickelte. Auch der Petersburger Dialog reagierte entsprechend und nannte seine Arbeitsgruppe nun mehr „Bildung, Wissenschaft und Gesundheitswesen“. Eines der Kernthemen im Bereich der angewandten Gesundheitswissenschaft wurde das Thema „Harmonisierung des Gesundheitswesens zwischen Deutschland und Russland“. Dies wurde im Petersburger Dialog 2007 in Wiesbaden entwickelt und konsequent im Dialog 2008 in St. Petersburg fortgeführt. Inzwischen waren auf Initiative von Bundesaußenminister Dr. Steinmeier wichtige Bereiche der angewandten Wissenschaft, nämlich Gesundheitswesen, Logistik, Rohstoffeffizienz und Rechtsstaatlichkeit unter dem Begriff der „Modernisierungs-partnerschaft“ zusammengefasst und mit ersten finanziellen Unterstützungen für die Zusammenarbeit ausgestattet worden. Konsequent unterzeichneten deshalb die Vorsitzenden der beiden Lenkungsausschüsse des Petersburger Dialogs am 02.10.2008 in Petersburg eine „Gemeinsame Erklärung des deutschen und russischen Lenkungsausschusses des Petersburger Dialogs zur Gestaltung der Modernisierungspartnerschaft“ . Bereits einige Zeit davor hatten auch die föderalen Gesundheitsministerien beider Staaten ihre Bestrebungen nach Zusammenarbeit wieder forciert. Dazu wurde seitens der beiden Ministerien ein „Aktionsprogramm“ verabredet, durch das zunächst konkrete Anstöße der Zusammenarbeit gegeben werden sollten und das perspektivisch im Jahr 2010 in eine Neukonzeption der bilateralen Abkommen im Bereich des Gesundheitswesens münden soll. Als wichtige Felder wurden neben der angewandten Gesundheitswissenschaft auch die soziale und die demografische Entwicklung in das Blickfeld einbezogen. Auf diese Weise soll die gesellschaftliche Bedeutung dieser Zusammenarbeit in besonderer Weise betont und die gesellschaftliche Verantwortung der handelnden Personen unterstrichen werden.

Regelmäßige Treffen der interessierten Mediziner aus beiden Staaten, zu denen auf russischer Seite auch die Russische Akademie der Medizinischen Wissenschaften, renommierte Klinikdirektoren, aber auch die Sektion Gesundheitswesen der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation zählen, unterlegen diese Vereinbarungen mit praktischen Maßnahmen. So fanden im Oktober 2008 in Petersburg und im November 2008 im russischen Generalkonsulat in Bonn Konferenzen statt, die das Aktionsprogramm durch einen Maßnahmenkatalog konkretisiert haben. Dem folgte im Februar 2009 in Moskau ein Treffen der gleichen Gruppe, das vom deutschen Bundesministerium für Gesundheit initiiert wurde, um den in den Vorkonferenzen erarbeiteten Maßnahmenkatalog durch Bildung von deutsch-russischen Arbeitsgruppen für insgesamt neun Gebiete, auf die sich die beiden Gesundheitsministerien verständigt hatten, eine operativ handhabbare Form zu geben.

Die Politik hat die Bedeutung des Gesundheitswesens nicht aus den Augen verloren. Während seines jüngsten Besuchs in Berlin und Dresden Anfang Februar 2009 nannte Ministerpräsident Putin die Zusammenarbeit im Bereich des Gesundheitswesens ein wichtiges und förderungswürdiges Element der deutsch-russischen politischen Zusammenarbeit. Auch Bundesaußenminister Steinmeier und Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft Schavan erklärten in der gemeinsamen Konferenz zur „Außen- und Wissenschaftspolitik“ am 19. Januar 2009 die Zusammenarbeit im Bildungs- und Wissenschaftsbereich, darunter insbesondere im Bereich des Gesundheitswesens, zu zentralen Elementen der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit.

Einen vorläufigen Höhepunkt in dem geschilderten Zusammenhang stellt die Rede des deutschen Außenministers Steinmeier in der Russischen Akademie der Wissenschaften am 10. Juni 2009 zur Modernisierungspartnerschaft dar. In dieser, den weiteren Weg der Zusammenarbeit konkretisierenden, Rede gab Steinmeier den Plan bekannt, ein „Deutsches Haus für Wissenschaft und Innovation“ in Moskau zu errichten -„ein Forum für Begegnungen russischer und deutscher Wissenschaftler. …Viele der an diesem Projekt Beteiligten aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sind heute hier “. Und weiter:“…Ich freue mich, dass wir auch auf dem Zukunftsfeld Gesundheit….ein gutes Stück weitergekommen sind.“

Das Koch-Metschnikow-Forum war als ordentliches Mitglied zu der Veranstaltung eingeladen und hatte Gelegenheit erhalten, sich mit einem Poster zu platzieren. Am Nachmittag ging es zu dem von russischer Seite und deutscher Seite gemeinsam entwickelten Zentrum für Kinderonkologie, dessen Direktor, Professor Rumiantzew, zunächst die Gäste begrüßte und gemeinsam mit diesen die beiden Staatsmänner, Putin und Steinmeier erwarteten, bis sie gemeinsam das Richtfest begehen konnten.

Dem Koch-Metschnikow-Forum ist die Aufgabe zugedacht, sich an der Fortbildung der an dem Zentrum beschäftigten Ärzte in Deutschland zu beteiligen. Allgemein bestand Einvernehmen, dass die deutsch-russische medizinische Zusammenarbeit aus vielen Gründen als zentrales Thema auf der Liste der Agenda bleiben wird. Es ist zu wünschen, dass das Koch-Metschnikow-Forum dazu auch weiterhin seinen gleichermaßen Ideen gebenden wie umsetzenden Beitrag leisten wird.

zitiert aus einem Artikel von Prof. Dr. Wilfried Bergmann in: Koch-Metschnikow-Journal 1/2009, p. 4-6
(Prof. Bergmann ist Koordinator der Arbeitsgruppe Bildung, Wissenschaft und Gesundheitsvorsorge des Petersburger Dialogs und Mitglied des Vorstands des Koch-Metschnikow-Forums)

Korrespondenzadresse:


Koch-Metschnikow-Forum
Luisenstr. 59
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15.-16.11.2017, Moskau: 1. Globale Ministeriale Konferenz der WHO - Ending Tuberculosis in the Sustainable Development Era: A Multisectoral Response


23.-25.10.2017, St. Petersburg: VI. Kongress des Russischen Nationalen Verbandes für Lungenheilkunde