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24.06.2013



Interview mit Mario Czaja: "Berlin hat gute Chancen, zur wichtigen Tür zu Osteuropa zu werden"

Von Martina Merten

Mitte November 2011 haben der Landesverband Berlin der SPD und der Landesverband Berlin der CDU ihre Koalitionsvereinbarungen abgeschlossen. Der Fahrplan für die Legislaturperiode 2011-2016 ist somit klar. Die Vereinbarung des neuen Bündnisses enthält zukunftsweisende Passagen zum Gesundheitsstandort Berlin. Nach Interviews des KMF mit Prof. Dr. Detlev Ganten, Dr. Günter Jonitz und Rolf D. Müller befragte das KMF für diese Ausgabe einen ganz besonderen Mann zu den deutsch-russischen Entwicklungen im Gesundheitsbereich: Mario Czaja, seit Ende 2011 Senator für Gesundheit und Soziales der Stadt Berlin.


KMF: Herr Czaja, gibt es Ihres Wissens nach von Seiten Berlins oder der Berliner Unternehmen im Gesundheitsbereich geplante Brücken Richtung Osten? Gibt es Pläne, dass sich Unternehmen, die hier im Gesundheitswirtschaftsbereich tätig sind, auch in Mittel und Osteuropa engagieren wollen?

Czaja: Historisch und geografisch gesehen ergeben sich besondere Bezüge und eine besondere Nähe Berlins zu Osteuropa. Politisch werden die Beziehungen zu Osteuropa u.a. durch Städtepartnerschaften bspw. mit Warschau und Moskau gepflegt und gefördert. Der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft folgend unterstützt der Berliner Senat ebenfalls entsprechende Exportbestrebungen Berliner Unternehmen.

KMF: Können Sie einige Beispiele hierfür nennen?

Czaja: Gerade im vergangenen Jahr unterzeichneten die Stadtoberhäupter von Berlin und Moskau ein gemeinsames Memorandum, welches auch die Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich Gesundheitswirtschaft zum Inhalt hatte. In Polen und Russland ist Deutschland bereits der größte Lieferant bei medizintechnischen und pharmazeutischen Produkten. Der Bedarf und damit die Exportchancen deutscher und Berliner Unternehmen der Gesundheitswirtschaft dürften in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

KMF: Warum gehen Sie von einer solchen Zunahme aus?

Czaja: Nun, neben demografischen und medizinisch-technischen Entwicklungen gibt auch der teilweise erhebliche Nachholbedarf in diesen Ländern Anlass zu dieser Vermutung. So fragt Polen zurzeit Medizintechnik stark nach, da die polnischen Krankenhäuser bis 2015 die technischen und sanitären EU-Standards erfüllen müssen. Russland plant Investitionen von mehr als 300 Milliarden Rubel für die Modernisierung und den Ausbau des russischen Gesundheitssystems. Hier sollen zum Beispiel acht landesweite Hightech-Kliniken auf international höchstem Standard aufgebaut werden.

Insgesamt gibt es einen großen Bedarf an Krankenhaussystemlösungen, professionellem Krankenhausmanagement, Aus-, Weiter- und Fortbildung medizinischer Fachkräfte und des Managementpersonals. Das Deutsche Herzzentrum Berlin hat beispielsweise 2008 einen Kooperationsvertrag zur Zusammenarbeit im Bereich der Herzmedizin mit der Lomonosov Staats-Universität in Moskau abgeschlossen.

Die engen Beziehungen werden auch durch den Anteil russischer Patientinnen und Patienten in Berlin deutlich. Dieser ist mit 17 Prozent der höchste innerhalb der Ländergruppen. Viele Krankenhäuser bieten daher auch entsprechende Informationsunterlagen und Websiteinhalte in russischer, teilweise auch in polnischer Sprache an.

Alles in allem hat Berlin gute Chancen zu "der" Tür zu Osteuropa zu werden, auch wenn es dabei mit anderen Metropolen wie Hamburg oder international mit Wien konkurriert. Berlin hat durchaus Standort- und Wettbewerbsvorteile, beispielsweise hinsichtlich der Verkehrsanbindungen. Im Masterplan für die Gesundheitsregion ist die Achse zu Osteuropa neben dem arabischen Raum ebenfalls fest verankert.

23.-25.10.2017, St. Petersburg: VI. Kongress des Russischen Nationalen Verbandes für Lungenheilkunde


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